Soiernhaus

Ludwigs „Freilichtbühne“ im Vorkarwendel bei den Soiern

von Magdalena Sailer

Unweit der Grenze zu Österreich im Vorkarwendel liegt die Soierngruppe, eine dramatische Gebirgswelt, die Ludwig II. besonders liebte. Die schroffen Gipfel, allen voran die Soiernspitze (2050 m), reihen sich um den Soiernkessel mit seinen beiden smaragdgrünen Seen (1552 m). Die Bergresidenz, die Ludwig II. hier errichten ließ, war berühmt für den Pavillon auf der Schöttelkarspitze und für nächtliche Feuerwerke, die der König in einem Drachenboot auf sich wirken ließ.

Der Soiernkessel – darin eingebettet die beiden Soiernseen

„…ich richte diese Zeilen von der Soiernhütte an Dich, es ist dieß meine am höchsten gelegenste Berghütte (nicht sehr weit von Partenkirchen entfernt) in der Nähe liegen 2 allerliebste smaragdgrüne Seen, die ich auf einem kleinen Segelboote befahre, wo ich viel der Lektüre mich widme, eine 7000‘ [Fuß] hoch gelegene nicht zum Wohnen eingerichtete Hütte ist unweit von hier, ich ritt gestern zu Tisch hinauf…“
(Ludwig an Sybilla von Leonrod, Soiern, 16. September 1869)

Der besondere Ort
Bei seinen Gebirgsausflügen hielt Ludwig II. sich in der Regel dort auf, wo schon sein Vater Max II. Jagdhütten hatte errichten lassen. Das Jagen lehnte Ludwig zwar ab, doch die Lage dieser Pirschhäuser gefiel ihm. Das Besondere am Königshaus bei den Soiern ist, dass hier vorher keine solche Hütte existierte. Ludwig ließ hier eine ganz neue Bergresidenz errichten – so begeistert war er von der Schönheit des Soiernkessels. (Die „höchst gelegene“ Berghütte Ludwigs II. blieb das Soiernhaus übrigens nur, bis 1870 das Schachenschloss fertig war.)

Die Gebäude bei den Soiern
1865 ging der königliche Auftrag zum Bau eines Berghauses bei den Soiern an den Zimmermeister Paul Schwarzenberger aus Lenggries. Da dieser zeitgleich auch das Königshaus am Herzogstand errichtete, wurden die dafür bestehenden Pläne für das Soiernhaus übernommen. (Nur die Aussichtsplattform auf dem Dach des Herzogstandhauses ließ man beim Soiernhaus weg.) Knapp 70 Höhenmeter über dem größeren See auf einem Ausläufer der Schöttelkarspitze ließ Ludwig das Haus platzieren. Weiter unten am Seeufer kam eine Unterkunft für den Reitknecht mit Pferdestall hinzu. Im Herbst 1866, nach fünf Monaten Bauzeit, war das Haus fertig. (Zum Pavillon auf der Schöttelkarspitze, siehe Artikel → Schöttelkarspitze.)

1888 musste das Wohn- und Schlafzimmer des Königs abgetragen werden, da sich die Mauern gesenkt hatten. Heute ist an dieser Stelle die Terrasse der Soiernhütte. Seit 1921 hat der Alpenverein (Sektion Hochland) das Soiernhaus gepachtet. Die Hütte am See übernahm 1946 die Bergwacht Wallgau-Krün.

Heute ein beliebtes Rasthaus für Bergsteiger

Wie wohnte der König?
Die Inneneinrichtung folgte im Frühjahr 1867: Im Haus waren zwei bis drei Zimmer für den König, ein Lakaienzimmer, eine Küche und eine Kammer für den Koch. Ludwigs Wohn- und Schlafzimmer war mit Eichenholzmöbeln eingerichtet, dazu weiß-blau gestreifte Vorhänge und ein grau karierter Teppich. Als Schlafplatz diente Ludwig ein Alkoven (Bettnische oder Schrankbett). Die mit eichenholzfarbener Tapete bespannten Wände schmückten geschnitzte Bilderrahmen, darin Kupferstiche und Aquarelle mit Szenen aus Wagners Tannhäuser und aus der Zeit Ludwigs XIV.

Besuche des Königs
Laut Intinerar (Merta) übernachtete Ludwig II. zum ersten Mal am 8. August 1867 im Soiernhaus. An jenem Tag schrieb er von den Soiern an Cosima von Bülow: „Endlich nahten für mich wieder heilere und schöne Tage des Friedens und der Sammlung, die ich auf Bergesgipfeln, umweht von balsamisch stärkender Himmelsluft nie vergeblich suchte.“ Von nun an kam Ludwig alljährlich für jeweils zwei bis drei Tage, zunächst meist im August. Ab 1875 war der Soiern-Aufenthalt fest in Ludwigs Bergfahrtenprogramm verankert. Der König reiste nun immer im Juni oder Juli vom Herzogstand an und fuhr anschließend weiter zum Grammersberg und in die Vorderriß. Insgesamt dürfte der König sich mindestens 19 Mal bei den Soiern aufgehalten haben.

Die Soiernseen: Ludwig befuhr sie bei Mondschein im Drachenboot

Ludwigs Inszenierungen bei den Soiern
Auf den Seen des Soiernkars ließ sich der König nachts bei Mondlicht herumrudern und bewunderte das Naturschaupiel: silbern glitzerndes Wasser umrahmt von weißschimmernden Felswänden unter nachtblauem Sternenhimmel. Besonders liebte es Ludwig, wenn über dem Soiernkessel Bergfeuer, Feuerwerk und Leuchtraketen entzündet wurden, die sich im Wasser spiegelten und die Felsen in wechselnde Farben tauchten. Für derartige Inszenierungen sollen am oberen See noch ein Pavillon und eine Seebühne errichtet worden sein. Die Seebühne soll am Ufer unterhalb der Schöttelkarspitze gelegen haben; die angeblichen Reste des Pavillons finden sich auf einer kleinen Anhöhe am Weg zur Soiernspitze.

Das verschollene Drachenboot
1869 brachte man das erste Boot hinauf zu den Soiern; dafür wurde 1870 eine Schiffshütte westlich des Stallgebäudes am oberen See errichtet. Etwas Besonderes muss aber das neue Segelboot gewesen sein, das Schiffsbaumeister Kellerer aus Tegernsee lieferte und das 1875 herauf transportiert wurde: ein schwarzes Drachenboot mit rotem Bram- und Breitsegel und zwei Rudern. Diesmal soll Ludwigs Begeisterung für Wagners „Rheingold“ Pate gestanden haben (Uraufführung auf Ludwigs Anordnung am 22. September 1869 in München). Das Boot wurde dennoch wieder „Tristan“ genannt, wie der Dampfer am Starnberger See. – Bis 1887 soll dieses Boot oben bei den Soiern gelegen haben; dann kaufte es der Barmseewirt Franz Sales Möbs für 50 Reichsmark. Was danach aus dem Boot wurde, ist ungewiss.

Schneller als der König – über den „Lakaiensteig“
Seit 1870 führt der sogenannte Lakaiensteig von der Fischbachalm (1402 m) zur Soiernhütte. Wie der Name andeutet, wurde dieser Klettersteig eigens für die Diener Ludwigs II. angelegt – als Abkürzung, damit sie vor dem König beim Soiernhaus ankamen und die nötigen Vorbereitungen für seine Ankunft treffen konnten.
Der Lakaiensteig ist bis heute die Alternative zum Forstweg über den „Hundsstall“ (1238 m), den der König benutzte, um zu den Soiern zu gelangen. Der Steig ist landschaftlich reizvoller, aber auch deutlich anspruchsvoller und eignet sich nur für Geübte. Er ist schmal, teilweise sehr eng an die Felswand geschmiegt und mit Drahtseilen gesichert. Das erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit!

Hier noch harmlos: Der Lakaiensteig, den einst die Diener Ludwigs II. nutzten

Talstützpunkt Gasthof Estermann in Krün
Für die Bergfahrt Ludwigs II. zu den Soiern und zur Schöttelkarspitze war der kleine, urtümliche Gasthof Estermann in Krün das Talquartier. Dorthin wurden vermutlich Gepäck und Ausrüstung gebracht, zum Beispiel der zweirädrige Bergwagen des Königs. Wie bei den anderen Bergresidenzen üblich, war dieser Gasthof wohl auch die Anlaufstelle für Regierungsangelegenheiten, die sofort durch Boten hinauf zum König ins Soiernhaus gebracht wurden. Ludwig II. legte Wert darauf, dass die Regierungsgeschäfte reibungslos liefen, auch wenn er im Gebirge war. Heute kennt man den ehemaligen Gasthof Estermann in Krün unter dem Namen „Gasthof Post“.

Literatur:
Mario Praxmarer, Peter Adam, Ludwig II. in der Bergeinsamkeit von Bayern und Tirol, Garmisch-Partenkirchen 2002.

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Informationen zum Soiernhaus + Gasthof Estermann/Gasthof Post

Hüttenwirtin: Susanne Ziemer

Riesserkopfweg 10

D – 82491 Grainau

Telefon +49-171-5465858

Fax +49-8821-7322576

Öffnungszeiten: Mitte Mai bis Mitte Oktober

E-Mail: referent@soiernhaus.de

http://soiernhaus.de/

GPS-Daten „Soiernhaus“: 47.493767,11.348602

Lage des Soiernhaus + Lakaiensteig:

Lakaiensteig auf einer größeren Karte anzeigen

 

Gasthof Estermann/Gasthof Post in Krün:

Walchenseestraße 4

82494 Krün

Tel. 08825/321

e-mail: info@gasthof-blocks-post-kruen.de

http://www.gasthof-blocks-post-kruen.de/